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GRÜNES HIRSCHAID
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Grüne Hirschaid

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Aktueller Bericht:

Wann ändert sich etwas im

deutschen Gesundheitssystem?

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Ein Bericht von Sandra Bischoff, die für uns bei der BR-Sendung "Jetzt red i" dabei war, die am 18.01.23 live aus Hirschaid gesendet wurde.

In der ersten vollen Woche des Januars erfuhr ich von den Plänen des BR, die Sendung „Jetzt red i“ in Hirschaid aufzuzeichnen. Schon diese Nähe des Aufzeichnungsortes war interessant. Aber als ich das Thema der Sendung erfuhr, war ich Feuer und Flamme: „Patienten in Sorge, Ärzte im Stress – Woran krankt unser Gesundheitssystem?“ mit den Studiogästen Klaus Holetschek (bayerischer Gesundheitsminister, CSU) und Andrew Ullmann (gesundheits-politischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag). Bei meinem Hintergrund als Fachkrankenschwester im Operationsdienst wohl auch kein Wunder. Und erst recht, da ich mich auch gewerkschaftlich engagiere.

Was mir sofort auffiel: wo war hier die Rede von den Pflegekräften und Medizinischen Fachangestellten?

Und so war der Entschluss gefasst vor Ort zu sein am 18.1.2023.

Der Abend kam schnell näher und Kollegen vom Bochumer Bund (Spartengewerkschaft für Pflegeberufe) wie auch meine Familie und meine Abteilungsleitung an der Uniklinik Erlangen wurden befragt, um herauszufinden, was uns besonders stark bewegt. Schnell war klar: der Personalmangel! Erfahrene Kolleg*Innen verlassen uns, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht gegeben ist oder schlicht, weil sie in anderen Berufen ohne oder mit weniger Schichtdiensten mehr verdienen. Manche reduzieren auch „nur“ die Arbeitszeit aufgrund der Belastungen, jedoch verlieren wir hier auch Kompetenz und Menschenkraft. Zudem heißt es heutzutage nicht mehr, dass man den Beruf, den man einst gelernt hat, bis zu Rente ausübt.

Ich bin zusätzlich auch Ausbilderin und weiß deshalb, wie schwer es ist, erfahrene Kolleg*Innen zu ersetzen, denn in Neueinsteiger*Innen investieren wir Monate bis Jahre bis sie an Kompetenz ebenbürtig sind.

All das wiegt schwer und führt dazu, dass wir gefühlt immer weniger Personal im Gesundheitswesen haben und damit sind alle mitgemeint: MFAs, MTRAs, Rettungsassistent*Innen und -sanitäter*Innen, Hebammen, Intensiv- und Anästhesiepflegekräfte, ATAs, OTAs, Pflegefachmenschen, ob in Akut-, Langzeit- oder Kinderkrankenpflege, Ärzte, Reinigungskräfte und noch viele, die ich hier vielleicht vergessen habe aufzuzählen.

Meine Frage an Herrn Holetschek und Herrn Ullmann drehte sich also darum, welche Maßnahmen konkret in den nächsten Monaten oder Jahren geplant seien, um die Attraktivität für Neueinsteiger*Innen und Wiedereinsteiger*Innen zu steigern.

Die Antworten kannte ich teilweise schon. Hier sind sie mit meinem Kommentar.

„Springerpools“ – Das sind Pflegekräfte, die sozusagen auf Abruf angestellt sind und dann von betroffenen Häusern angefordert werden können, wenn Krankheitsausfälle auftreten oder ähnliches. Die Grundidee ist gut, allerdings sind hier einige Hindernisse auszuräumen, z.B. in Zeiten mit vielen Kranken ist so ein Pool schnell leer und in guten Zeiten warten die Kolleg*Innen auf Abruf… Auch diese Kräfte haben einen Anspruch auf einen festen Dienstplan und sollten außerdem nicht nur Pflegekräfte für bettenführende Stationen bereithalten.

„Zulagen steuerfrei stellen“ – ist ein Thema der Tarifverhandlungen, die z.B. für die Angestellten des öffentlichen Dienstes im Tarifvertrag der Länder diesen Herbst wieder anstehen. Ich hoffe, die bayerische Staatsregierung hat die Worte von Herrn Holetschek dann nicht vergessen.

„Bezahlbarer Wohnraum für Pflegekräfte“ – nice to have, aber wer würde das nicht gerne wollen: bezahlbaren Wohnraum für alle?

„Bevorzugten Zugriff auf Kinderbetreuung“ – da es ja schon einen rechtlichen Anspruch auf Kinderbetreuungsplätze gibt, wäre wohl eher ein Preisangleich der Angebote sinnvoller. So kostete ein Krippenplatz Stand 2015 mit Vollverpflegung in Erlangen circa 750€, in Sassanfahrt nur etwa 300€ im Monat.

Nach diesem Abend bin ich nun sehr gespannt, ob sich an der Situation in den nächsten Monaten etwas ändert. Leere Versprechen, Applaus und Lavendel (diese Geschichte kennen wohl nur Pflegekräfte; im Juni 2020 bedankte sich der rheinland-pfälzische Staatsminister Denis Alt mit einem Lavendelstrauch für den Einsatz der Mitarbeiter der Uni-Klinik Mainz, ein Lavendelstrauch… wieder eine leere Geste) kennen wir schon in der Pflege. Die Coronawellen und die Systemrelevanz des Angestellten im Gesundheitswesen der letzten Jahre hatte doch allen gezeigt, wie wichtig ein funktionales und gut ausgestattetes Gesundheitssystem ist. Passiert ist jedoch in all der Zeit nichts… Große Hoffnungen habe ich daher leider nicht.

Eure Sandra Bischoff

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